Frauenfeindlichkeit in der Odyssee

9. März 2026

Mithilfe der Odyssee kann man sich ein gutes Bild davon machen, wie die alten Griechen damals gedacht haben und wie ihre Gesellschaft sowie die Herrschaftsverhältnisse funktioniert haben. Besonders auffällig ist dabei, wie frauenfeindlich viele Vorstellungen waren. Dies möchte ich anhand einer Textstelle aus der Odyssee genauer zeigen.

Anfangs des 15. Gesangs sagt Athene zu Telemachos, er solle nach Hause zurückkehren, bevor seine Mutter sich einen anderen Mann auswählt.

«Du kennst ja die Haltung von Frauen» (S. 116)

Diese Aussage zeigt deutlich, wie Frauen damals gesehen wurden. Sie werden als unvertrauenswürdig und untreu dargestellt. Athene fordert Telemachos auf, schnell zurückzukehren, weil Frauen – und damit auch seiner Mutter – die Fähigkeit abgesprochen wird, Verantwortung zu übernehmen oder loyal zu bleiben.

Daran erkennt man gut die Denkweise der damaligen Zeit: Obwohl Penelope eigentlich als klug und stark beschrieben wird, zählt am Ende mehr das allgemeine Bild von Frauen. Man traut ihr nicht zu, die Situation alleine zu kontrollieren. Deshalb lag die Macht über Familie, Besitz und Ordnung fast nur bei den Männern. Dahinter steckt auch eine gewisse Angst vor Kontrollverlust. Wenn Frauen als unzuverlässig dargestellt werden, wirkt es gleichzeitig so, als müssten Männer die Kontrolle behalten.

Interessant ist auch, dass diese Worte ausgerechnet von Athene kommen. Sie ist eine Göttin und damit eine Autorität, zudem selbst eine Frau. Dadurch wirken ihre Aussagen glaubwürdiger und stärker. Gleichzeitig zeigt es aber auch, wie tief solche Vorstellungen in der Gesellschaft verankert waren.

Diese Ungleichbehandlung sieht man auch an anderen Stellen der Odyssee. Zum Beispiel bei Kirke: Odysseus verbringt ein ganzes Jahr bei ihr, und das wird als völlig normal dargestellt. Niemand stellt sein Verhalten wirklich in Frage. Doch wenn Penelope so gehandelt hätte, wäre das undenkbar gewesen. Sie wartet zwanzig Jahre lang treu auf ihren Mann, während er sie auf seiner Reise immer wieder betrügt. Trotzdem wird das nicht kritisiert. Man merkt hier deutlich, dass für Männer und Frauen unterschiedliche Regeln gelten.

Aus heutiger Sicht ist das absolut nicht akzeptabel. Frauen wurden ohne wirklichen Grund benachteiligt und ungerecht behandelt. Wenn jemand betrogen wird, sollte es keinen Unterschied machen, ob es ein Mann oder eine Frau ist. Das lässt sich gut mit einem Verbrechen vergleichen: Es spielt keine Rolle, wer es begeht – es bleibt gleich falsch. Auch heute gibt es noch Unterschiede zwischen den Geschlechtern, aber sie sind deutlich weniger stark als früher und hoffentlich irgendwann ganz verschwunden.

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